Rennen


	
	    

	
	    

	
	    

	
	    

Longtrail-Europameisterschaft 2008 in Innerkrems/Kärnten oder

"hart-härter-Innerkrems"

 

 

Nach der Sprint-Europameisterschaft in Donovaly entschlossen wir uns bei der FISTC-Longtrail-EM  in der Kat. LT2 mit 8 Hunden zu starten. Wir hatten exakt 4 Wochen Zeit, um die Hunde von Sprint auf Longtrail umzutrainieren. Als ich mein Vorhaben bekannt gab, wurde mir von mehreren Seiten gesagt, dass dies in so kurzer Zeit unmöglich sei, die Hunde auf so ein Niveau zu bringen. Ich nahm die Herausforderung an, und begann meine Hunde hochkonzentriert und mit viel Feingefühl auf die langen Distanzen vorzubereiten. Mit dabei hatten wir auch 2 Rüden (Raju und Cougar) von Familie Ploder. Wir trainierten mit dem Quad-Runner und zusätzlichem Gewicht. Mit anfangs 15 km, erhöhte ich  langsam auf 25 km pro Tag. Bei solchen Einheiten heißt es nicht nur die Hunde zu trainieren, sondern das Team genau zu LESEN. Einige Feinheiten die ich von Hans Gatt in Bezug auf Longtrail lernen durfte, konnte ich zielführend umsetzen.

 

1. Renntag: Der von Max Rotter extra angefertigte Distanzschlitten, war mit allen vorgeschriebenen Utensilien (Biwak-Sack, Futter für die Hunde, zusätzl. Leinenmaterial, Notfallspakete für Mensch und Hund uvm.) bis zum Rand hin voll – wir hatten eindeutig zu wenig Platz! Daher musste noch ein Rucksack aushelfen. Schlittengewicht: 65 kg, Rucksack 9 kg. Ich startete im Lead mit Syra, Sam, Swing-Dogs Raju und Cougar, Teamdogs Dhigs und Sander und im Wheel Carlos und Rave. Worte für den Trail zu finden, fällt mir äußerst schwer. Es sei nur gesagt: unvorstellbar, atemberaubend hart und gefährlich. Dieser Trail forderte höchste Konzentration und Taktik. Unsere Hunde gingen mit unvorstellbarer Power! Nach einigen Stürzen und kleinen Schürfwunden kamen wir als Erster im Biwak an. Dies überraschte mich ein wenig, da doch viele erfahrene Longtrail- und Ironsleddogmusher starteten. Mit einem Vorsprung auf den 2. Platzierten Anton Miklovic (Slowakei, amt. Longtrailweltmeister 07) von 15 Minuten, errichtete ich die Schlafstätte für meine Hunde und mich.  Da sich das Biwak im hochalpinen Gelände befand, versorgte ich meine Hunde mit Dogblankets, um einen erhöhten Energieverlust aufgrund der Kälte zu vermeiden. Die Nacht verlief fast unerträglich. Ein werter Musherkollege hatte 2 läufige Hündinnen mit – das daraus resultierende Heulkonzert hielt die ganze Nacht an und ließ uns keine Sekunde schlafen. Meinem Team gebührt ein unglaubliches Lob. Dafür, dass es ihre erste Nacht in einem Biwak war, verhielten sie sich äußert brav und diszipliniert.

 

2. Renntag: Wir starteten direkt aus dem Biwak. Erst nachdem alle Hunde eingespannt waren, konnte ich das Stake-Out abbauen und verstauen. Auch dabei verhielten sich unsere Hunde vorbildlich. Aufgrund der steigenden Temperaturen und dem Schlafmangel, erwies sich der zweite Tag als anstrengender und kräfteraubender. Nach 14 km langen schwierigen Anstiegen, war unser Sander so erschöpft, dass ich ihn in den Schlittensack laden musste. Zum Glück ging es von dort weg abwärts, und die Hunde spürten das zusätzliche Gewicht kaum. Für mich als Musher bedeutete dies weitere 30 kg im Schlitten und als Folge ein nahezu unkontrollierbares Lenkverhalten. Wir landeten öfters im Tiefschnee. Nach ca. 5 km war Sander wieder fit, und er konnte wieder in seiner Position laufen. Zu diesem Zeitpunkt überholte uns der 2. Platzierte Miklovic. Ich fuhr die Abfahrten sehr verhalten, ließ mich jedoch nicht abschütteln, und klemmte mich an seine Fersen. Im Ziel verloren wir auf ihn nur 2 Minuten. Unser Zeitpolster schrumpfte von 15 auf 13 Minuten.

 

3. Renntag: Nachdem die Hunde fast 24 Stunden in ihren gewohnten Boxen regenerieren konnten, waren sie wieder topfit. Es war viel kälter als am Vortag, und somit war auch der Trail nicht so tief. Unsere Taktik am dritten Tag war es, uns vom 2. Platzierten einholen zu lassen, um uns an seine Fersen hängen zu können. Nach ca. 10 km sehr verhaltener Fahrweise überblickten wir ein weites Feld und konnten Anton Miklovic nirgends entdecken. Ich konnte die Sensation fühlen, für Euphorie war es jedoch noch zu früh – 15 anstrengende Kilometer lagen noch vor uns. Es galt Ruhe zu bewahren, und sich aufs Team zu konzentrieren. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass die Hunde am dritten Tag absolut gepeakt haben (über sich hinausgewachsen sind). Nach weiteren 7 km Anstieg fuhr ich auf weiter Flur allein an der Spitze, vor mir nur das Pistengerät, das mir einen traumhaften Trail ebnete. Endlich kamen wir zur langen Talabfahrt und wussten, dass der Titel zum Greifen nahe war.

Kurz vor dem Ziel ging dann noch unser Schlitten, genauer die rechte Kufe an einem Baumstamm zu Bruch. Jedoch schockierte mich das nicht sehr – die letzten 500 m fuhren wir mit kaputtem Schlitten und gebrochener Kufe ins Ziel. Dies sorgte für sehr viel Aufsehen, wie man sich vorstellen kann. Finished with one broken runner! Endlich konnte ich meiner Freude freien Lauf lassen - wir hatten es geschafft!  Europameister im Longtrail Kat. LT2 mit 8 Sprinthunden – und das bei unserem ersten Auftritt!

 

Fotos: siehe Rubrik ""News"